Bisherige schwere Stör- und Zwischenfälle

Das KKW Brunsbüttel ist in der Vergangenheit mehrfach durch Stör- und Zwischenfälle negativ in die Schlagzeilen gekommen, manche Vorfälle hatten erhebliche Relevanz für die Betriebssicherheit. Gerade bei aktuelleren Zwischenfällen erfolgte durch den Betreiber (Mehrheitseigentümer Vattenfall) eine nur schleppende und inadäquate Information der Behörden und der Öffentlichkeit. Dadurch war das Kraftwerk im Speziellen und die Kernenergienutzung im Allgemeinen einer Welle der Kritik ausgesetzt. Die ältesten Störfälle waren auf die gerade erst erfolgte Inbetriebnahme und den damit verbundenen Optimierungsbedarf zurückzuführen. Die Häufung in letzter Zeit kann im Gegensatz dazu mit dem fotschreitenden Alter der Anlage sowie einem fehlenden Alterungsmanagement und /oder dem starken betriebswirtschaftlichen Druck der Gewinnmaximierung auf Kosten der Betriebssicherheit erklärt werden.

  • 18.06.1978: Freisetzung von mehreren Kubikmetern radioaktivem Dampf
  • 17.10.1978: Auffinden eines Blechteils im Reaktordruckbehälter, die Herkunft konnte nicht geklärt werden.
  • 14.12.2001: Auftreten einer Wasserstoff-Explosion, die eine Zuleitung des Reaktordruckbehälter-Sprühsystems zerstörte. Die Atomaufsichtsbehörde von Schleswig-Holstein wurde drei Tage später über den Vorfall informiert, jedoch unterließ es der Betreiber die genaue Ursache mitzuteilen. Das Bundesumweltministerium stellte im Winter 2002 die Zuverlässigkeit des Betreibers in Frage und übergab dem Umweltausschuss des Bundestags einen Bericht zu dem Vorfall. Bisher wurden Wasserstoffexplosionen in vergleichbaren Anlagenteilen für sehr unwahrscheinlich gehalten. Der Anlage wurde daraufhin etwa ein Jahr lang keine Betriebsgenehmigung erteilt. Der Unfall hätte bei Versagen weiterer Systeme zu mangelnder Kühlung des Reaktors - einer für die Anlage kritischen Situation führen können. Andererseits zeigte der Vorfall, dass das Störfallmanagements des Betreibers problematisch zu beurteilen ist. So wurde im Bericht zur Aufklärung des Unfallherganges und der unberücksichtigten Ansammlung von Knallgas aus dem Anlagenbetrieb dem Betreiber entweder "skandalös unterentwickelte Fachkunde" oder "schamlose Verneblung" des Hergangs vorgeworfen. KKB stand nach dem Unfall für mehr als ein Jahr still. Auch die anderen deutschen Siedewasserreaktoren der Baulinie 69 wurden in Bezug auf die Wasserstoffproblematik einer eingehenden Analyse unterzogen, um vergleichbaren Situationen vorzubeugen.
  • 01.07.2007: Beim Wiederanfahren nach einer Schnellabschaltung eines externen Netzfehlers sperrte sich zwei Mal unplanmäßig das Reaktorwasser-Reinigungssystem ab. Es erfolgte eine Einleitung von Reaktorwasser in die Kondensationskammern. Damit verbunden kam es zur Überschreitung von radiologischen Grenzwerten. Auch dieser Vorfall wurde nur zögerlich und unvollständig an die Landesbehörde in Kiel weitergeleitet. Eine eingehende Untersuchung der Anlage ergab bautechnische Mängel, die vor der Betriebswiederaufnahme im Sommer 2007 behoben wruden. Der Stillstand verursachte für den Betreiber einen Schaden von etwa 200.000 Euro pro Tag. Andererseits verschiebt der Stillstand das voraussichtliche Betriebsende weiter in die Zukunft.  

 

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