Position der Wiener Umweltanwaltschaft

Die geografische Distanz von über 1.300 Kilometern scheint weit genug, um die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Schäden für Wien (und Österreich) aus möglichen schweren Unfällen äußerst gering zu halten. Die Wiener Umweltanwaltschaft interessiert sich dennoch aus verschieden Gründen für das Vorhaben.

Flamanville 3 stellt neben dem finnischen Olkiluoto 3 ein tatsächliches Neubauprojekt in Europa dar. Die Debatte um den Klimawandel und die Verknappung bislang verwendeter Energiereserven bilden die Argumentationsbasis für einen öffentlich viel diskutierten Ausbau der Kernenergie. Für Frankreich soll Flamanville 3 symbolisch der Startschuss der "nuklearen Renaissance" sein. Wobei allerdings zuerst ältere Anlagen ersetzt werden müssen, bevor an eine Kapazitätsausweitung zu denken ist.

Die Wiener Umweltanwaltschaft setzt sich für eine langfristig umweltfreundliche und nachhaltige Energiepolitik ein. Auch wenn die Kernenergie mittelbar nur geringe Treibhausgasemissionen verursacht und somit klimafreundlicher als fossile Kraftwerke ist, sind andere Fragen (Atommüll, zu Ende gehende Uranvorkommen) bisher ungelöst oder wie etwa der Uranbergbau höchst umweltschädlich. Darüber hinaus führt der Uranbergbau wie etwa in Niger zu anhaltenden Menschenrechtsverletzungen sowie zur Vertreibungen und Verfolgung ganzer Völker.

Das Projekt Flamanville 3 stellt auch ein aussagekräftiges „Gesellenstück“ der Nuklearindustrie dar. Es ist der erste serienmäßige EPR – abgesehen vom Pilotprojekt Olkiluoto. Es stellt sich die Frage, ob die erhofften Ziele – Qualität und Wirtschaftlichkeit, ein straffer Zeitplan der Fertigstellung - auch in erhofftem Umfang eingelöst werden können und ob die Kapazitäten der Industrie ausreichen oder diese erst langwierig wieder aufgebaut werden müssten. Ein Anliegen der WUA ist,  die notwendigen Sicherheitsstandards in vollem Maße einzufordern und auf nachhaltige Alternativen zur Kernkraft hinzuweisen – auch für Flamanville 3. Unzulänglichkeiten bei diesem EPR könnten sich in ungünstiger Weise auf mögliche weitere Neuanlagen übertragen, weshalb die Betriebssicherheit hier – am möglichen Beginn einer neuen Baureihe - ein besonderes Augenmerk verdient.

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