Standpunkt der Europäischen Union

Durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl waren auch große Teile Westeuropas von radioaktivem Niederschlag betroffen.

Die EU beteiligte sich an den Aufräumarbeiten und wissenschaftlichen Begleitprogrammen zur Untersuchung der Katastrophe. Sie versuchte unter gegebenen Rahmenbedingungen ein möglichst rasches Abschalten der nach 1986 noch dort betriebenen Reaktoren zu erwirken. Außer den Blöcken in Tschernobyl befanden sich keine RBMK-Reaktoren im ukrainischen Kraftwerkspark.

BedeutendenAkteur/innen der Ukraine wurde bewusst, wie wichtig Europa die Stilllegung der drei verbleibenden Tschernobyl-Reaktoren war. Der Preis wurde durch ukrainische Interessen so hoch wie möglich gehalten. Erst am 7.12.2000 erfolgte die Garantie zur unmittelbaren Stilllegung des letzten Blocks, Nummer drei. Diese Garantie war mit einem Kredit in Höhe von 215 Millionen Dollar der EBRD (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) verknüpft. Damit sollten zwei KKW-Druckwasserblöcke in den ukrainischen Kraftwerken Rowno und Chmelnizki fertig gestellt werden. Das Gesamtprojekt zur Ersetzung der Tschernobylkapazitäten in der nördlichen Ukraine betrug zirka 1,48 Milliarden Dollar. Davon brachte EURATOM (Europäische Atomgemeinschaft) 585 Millionen, die russische Regierung 123,7 Millionen, der ukrainische staatliche Anlagenbetreiber ENERGOATOM 158,6 Millionen und die ukrainische Regierung 50 Millionen Dollar auf. Der Rest der Summe wurde durch Exportverträge gedeckt. Die EU befand sich in einem Dilemma. Eine rasche Stilllegung sollte erwirkt werden. Andererseits sollten die Zugeständnisse an die Ukraine gering gehalten werden. Der Unfall von Tschernobyl wird von der Ukraine immer wieder als Möglichkeit betrachtet, international auf Mittelsuche zu gehen. Die allerwenigsten Gelder kommen aber dort an, wo sie wirklich benötigt werden. So hat sich über die Jahre eine umfangreiche Schattenwirtschaft aus inländischen und ausländischen Firmen und ukrainischen Ministerien gebildet. Sie versteht, mit dem Wort Tschernobyl zu hausieren. Ohne Zweifel liegt der gesamtwirtschaftliche Schaden durch den Kraftwerksunfall in der Dimension des Bruttoinlandprodukts eines ganzen Landes. Möglicherweise beschleunigte die dramatische Kostenentwicklung auch das Ende der Sowjetunion.

 

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