Zahlen und Fakten

Das Kraftwerk

Die gemeinsame Turbinenhalle der vier Blöcke von Tschernobyl hat eine Länge von fast 800 Meter. Für jeden Block waren zwei Turbogeneratoren installiert. Die Gesamtleistung der Anlage war etwa 4.000 Megawatt elektrisch (MWel) bei etwa 12.800 Megawatt thermisch (MWth). Zwei weitere Blöcke gleicher Größe wurden ab 1981 etwas südlich des restlichen Nuklearkomplexes errichtet. Block fünf sollte im Herbst 1986 seinen Probebetrieb aufnehmen. Block sechs war zirka zur Hälfte vollendet. An beiden Blöcken wurde auch nach der Reaktorkatastrophe in Block vier weitergearbeitet. Danach ließ die radiologische Situation dies nicht mehr zu. In der Folge wurden die Anlagen mit einem roten Schutzanstrich versehen. Damit sollten sie gegen Wettereinflüsse und Alterung konserviert werden. Zu einem späteren Zeitpunkt sollten sie fertig gestellt werden. Als die Radioaktivität auf ein niedrigeres Niveau abgesunken war, erschien eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten unter den geänderten politischen Rahmenbedingungen ausgeschlossen. Die selbständig gewordene Ukraine hatte weder die finanziellen Mittel noch den gesellschaftlichen Willen für die Fertigstellung von Block fünf und sechs.

Technische Spezifikation

Die beiden älteren Reaktorblöcke eins und zwei gehörten zur ersten Generation von RBMK-1000 Blöcken. Die energetische Auslegung war mit denen der Blöcke drei und vier vergleichbar. Die Sicherheitssysteme und Hilfsanlagen bei den beiden neueren Blöcken aus der zweiten RBMK-1000-Generation waren umfangreicher ausgelegt und besser optimiert. Diese Verbesserungen konnten die Reaktorkatastrophe von Block vier nicht verhindern.

Die Abkürzung RBMK steht im Russischen für "Druckröhrenreaktor großer Leistung". Der RBMK-1000 ist ein graphitmoderierter, leichtwassergekühlter Druckröhrenreaktor. Er ähnelt in seiner Funktionsweise einem Siedewassersektor. Im Unterschied zu diesem verwendet er aber sein Kühlwasser nicht gleichzeitig als Moderator für die Neutronen. Er besteht aus einer Anordnung von Graphitblöcken, die diese Aufgabe übernehmen.

Die Reaktoren von Tschernobyl bestanden aus je 1.700 Tonnen aufeinander geschichteter Graphitblöcke. Sie hatten die Form eines stehenden Zylinders. Sie waren zirka sieben Meter hoch. Ihr Durchmesser war 11,8 Meter. Die Graphitmatrix enthielt knapp 2.000 vertikale Bohrungen. In ihnen steckten die Brennelemente, die Absorber- und Messstäbe in eigenen Druckröhren. In jedem Brennstoffkanal standen zwei Brennelemente übereinander. Der Brennelementwechsel konnte während des Reaktorbetriebs vorgenommen werden. Dies minimierte die Standzeiten der Reaktoren. Für den Wechsel stand eine aufwändige Lademaschine im Zentralsaal über dem Reaktor zur Verfügung. Sie koppelte sich an den entsprechenden Brennstoffkanal an. Unter Reaktorbetriebsdruck sowie einem ständigen Kühlkreislauf zog sie die beiden alten Brennelemente aus ihrem Kanal und ersetzte sie durch neue.

Die thermische Produktion jeder der vier Tschernobylblöcke betrug etwa 3.200 MW. Pro Block existierten zwei getrennte Kühlkreisläufe mit je vier Hauptumwälzpumpen (HUP). Sie speisten jeweils eine Reaktorhälfte. Die Verteilung des Kühlwassers erfolgte über große Hauptkollektoren. Sie gelangte mittels Zuleitungen unterhalb des Reaktors zu den einzelnen Kanälen. Oberhalb der aktiven Zone zweigten die Verbindungen mit dem erhitzten Wasserdampfgemisch horizontal aus und führten zum Wasserabscheider. Fünf Dampfleitungen führten zu den jeweils zwei Turbinen pro Reaktorblock. Das abgetrennte Wasser wurde wieder den HUP zugeführt. Jeder Turbogenerator leistete 500 MWel. Die insgesamt acht Turbogeneratoren für alle vier Blöcke waren im Maschinenhaus untergebracht und lagen quer zu den Reaktoren.

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