Sicherheitssysteme

Die Sicherheitssysteme des Reaktortyps RBMK-1000 wurden nach der Katastrophe von Tschernobyl in allen noch bestehenden Anlagen verbessert. RBMK-Blöcke weisen jedoch prinzipielle gravierende Konstruktionsmängel auf. Deshalb haben die Sowjetunion und ihre Nachfolgestaaten nach dem Unglück von Tschernobyl einen Aufschub für den Bau von RBMK-Blöcken verhängt. Sicherheitseinrichtungen und positive Reaktoreigenschaften waren:

  • Die RBMK hatten eine geringe Leistungsdichte und eine große Wärmekapazität aufgrund großer Masse in der aktiven Zone.
  • Für Blöcke der ersten RBMK-Generation waren 191 Steuer- und Regelstäbe vorgesehen. In der zweiten Generation kamen 20 hinzu. Vor den deutlichen Verbesserungsmaßnahmen bei allen bestehenden Anlagen waren die Regelsysteme nach der Katastrophe für die großen Reaktorabmessungen zu langsam. Die Einfahrgeschwindigkeit der Stäbe betrug maximal 0,4 Meter pro Sekunde. Die Einfahrzeit der völlig entfernten Stäbe betrug knapp 20 Sekunden. Heute sind es zwölf Sekunden. Die Schnellabschaltstäbe fielen innerhalb von zwei bis zweieinhalb beziehungsweise sieben Sekunden.
  • Die Regelstäbe konnten notfalls auch durch die Schwerkraft und ohne elektrische Energie eingefahren werden. Dies unterschied den RBMK von anderen Siedewasserreaktoren.
  • Mit den Notkühleinrichtungen konnte der Abriss der größten Kühlmittelleitung überspeist werden (Auslegungsstörfall). Für die beiden neueren Blöcke standen pro Reaktor drei mal zwei Notkühlpumpen für die beschädigte Kernhälfte und drei mal eine Pumpe für die unbeschädigte Reaktorhälfte zur Verfügung. Dies entspricht einer Kapazität von drei mal 50 Prozent bei 250 Tonnen Förderleistung pro Pumpe und Stunde. Die älteren beiden Einheiten besaßen überhaupt keine Notkühlpumpen. Sie kamen erst bei der zweiten Generation konstruktiv zur Ausführung.
  • Alle vier Blöcke waren mit je drei Notspeisewasserpumpen ausgerüstet. Die Auslegung war drei mal 50 Prozent bei 750 Tonnen Förderleistung pro Stunde.
  • Auch die beiden neueren Blöcke hatten je drei Kondensationsbeckenpumpen mit gleicher Kapazität wie die Notspeisewasserpumpen.
  • Anlagen zur zusätzlichen Dosierung von Neutronengiften (Absorbern)
  • Jeder Reaktor war in einem gasdichten Behälter aus Stahlblech eingesetzt. Dieser wurde zur Vermeidung von Korrosionen mit Heliumgas gespült. Helium hat die Eigenschaft, durch Neutronen nicht aktiviert zu werden. Es besitzt ein hohes Durchdringungsvermögen durch poröse oder undichte Oberflächen. Dadurch lässt sich die Dichtheit des Reaktortanks ständig messen. Ein Anstieg der Radioaktivität im Heliumsystem würde zudem die innere Leckage eines Brennelementkanals anzeigen.
  • Das Reaktorsystem war von einer massiven und gasdichten Betonhülle umschlossen. Diese Konstruktion war weniger stark ausgelegt als ein Containment. Sie sollte aber ebenfalls das Austreten von Radioaktivität in die Umwelt verhindern, falls eine Leckage auftritt.
  • Mit dem elektronischen Rechnersystem SKALA werden zahlreiche Betriebsparameter ständig überwacht. Beim Verfehlen bestimmter Randwerte wird der Reaktor automatisch abgeschaltet.
  • Zur Überspeisung kleinerer Leckagen im Kühlkreislauf existierten Hochdrucktanks. Für die Blöcke eins und zwei war dies je ein System mit sechs Tanks von je 6,8 Kubikmeter Wasser und ebensoviel Treibgas. Für die neueren Blöcke drei und vier bestanden zwei Systeme mit je sechs Wassertanks und einem Tankvolumen von 13 Kubikmeter bei knapp ebensoviel Treibgasvolumen und zirka 95 Bar Überdruck.
  • Ausreichende Notstromanlagen für Steuerung und Nachkühlung waren vorhanden.
  • Umfangreiche Wasservorhaltungen von 3.200 Tonnen pro Block existierten für die Kondensation von Dampf und Druckabbau in Notfällen. Die Wasserreservoirs waren in zwei Kellergeschoßen übereinander angeordnet. Das System sollte den gleichen Zweck erfüllen wie die Kondensationstürme der kleineren WWER-440/213 Reaktoren vom Typ Dukovany oder Mochovce.

 

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