Wie die belgische Atomaufsichtsbehörde AFCN (agence fédérale de contrôle nucléaire) bekannt gibt sind die Probleme in Doel 3 und Tihange 2 noch gravierender als ursprünglich angenommen. Im Sommer 2012 waren bei einer Untersuchung der Reaktordruckgefäße eine große Anzahl von Fehlstellen entdeckt worden. Weitere Untersuchungen haben nun gezeigt, dass es sich im Fall von Doel 3 um 13047 zu berücksichtigende Fehlstellen im Material des Druckbehälters und bei Tihange 2 um 3149 Fehlstellen handelt.

Die Ursache für die Fehlstellen im Stahl konnte bis zum heutigen Zeitpunkt nicht in befriedigender Weise geklärt werden. Mehrere Bestrahlungstests sollen dabei helfen, nähere Aussagen über die Ursprünge und Gründe der bedenklichen Materialdegradation treffen zu können. Ergebnisse werden von AFCN für April 2015 erwartet.

AFNC hat sich einerseits mit der Bitte um fachliche Hilfe bei der Untersuchung des sicherheitsrelevanten Phänomens an die Internationale Gemeinschaft gewandt. Anderseits warnt die Aufsichtsbehörde, dass ähnliche Probleme auch bei anderen Reaktoren vorliegen könnten. Entsprechende Untersuchungen an allen Kernkraftwerken sind nach Ansicht der WUA unbedingt notwendig, vor allem da die Ursachen für die Fehler an den belgischen Anlagen nicht klar sind.

Alterungsprobleme nehmen zu

Die belgischen Untersuchungen zeigen einmal mehr, dass die Überprüfungen der bestehenden KKW unzureichend sind. Denn in regelmäßigen Abständen werden in Atomkraftwerken gravierende Mängel durch Zufall festgestellt, die teilweise bereits über mehrere Jahre vor ihrer Entdeckung existierten. Ebenso ist klar, dass die weltweit immer älter werdenden Atomkraftwerke durch unzureichend verstandene Alterungsprozesse der Komponenten eine immer größere Gefahr darstellen.

Neue Kernkraftwerke können nur mit enormen Subventionen der öffentlichen Hand errichtet werden, wie Hinkley Point C zeigt. Die alternden bestehenden und einstmals durch die Steuerzahler teuer bezahlten KKW sind für die nunmehr privaten Stromanbieter höchst lukrativ, weil Alterungseffekte wo immer irgendwie möglich ignoriert und notwendige Investitionen so gut wie möglich vermieden werden.

Die WUA als Atomschutzbeauftragte der Stadt Wien fordert - auch im Hinblick auf den vierten Jahrestag des Beginns der Katastrophe von Fukushima am 11. März 2015 - dass diese tickenden Zeitbomben durch die staatlichen Atomaufsichtsbehörden endlich gestoppt werden müssen. Die vitalen Sicherheitsinteressen der Menschen müssen über die finanziellen Interessen von Energiekonzernen gestellt werden. Umso mehr als Atomenergie weltweit einen immer mehr zu vernachlässigenden Anteil an der Energieversorgung bereitstellt. Deutschland zeigt, dass Atomenergie innerhalb kurzer Zeit durch erneuerbare Quellen vollständig ersetzt werden kann.

Mehr Informationen:

Detaillierte Dokumente von AFCN

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