Am 8.8.2019 veröffentlichte der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) einen Sonderbericht zum Klimawandel und zu Landsystemen (Climate Change and Land). Der Bericht fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand über Klimawandel, Desertifikation, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen zusammen. Es geht klar hervor: Die Ernährungsgewohnheiten in der Gesellschaft müssen sich grundlegend verändern und globaler Mangel an fruchtbaren Boden droht!

Die Geschäftsführerin des UNEP, Inger Andersen, sagte per Videobotschaft am 2.8.2019 zur Eröffnung der mehrtägigen Beratungen über den IPCC-Sonderbericht: "Zu einer Zeit, in der wir es uns am wenigsten erlauben können, verlieren wir fruchtbaren Boden und biologische Vielfalt in einem alarmierenden Tempo".

Einige Hauptpunkte des Berichts

landschaft kleinDer Bericht liefert alarmierende Aussagen und zeigt, dass das Ernährungssystem sowie Land- und Forstwirtschaft bedeutende Treibhausquellen sind, aber auch, dass Böden und Vegetation eine wichtige Funktion als natürliche Treibhausgassenke erfüllen. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung waren im Zeitraum von 2007 bis 2016 für 23 % der vom Menschen verursachten Netto‐Treibhausgasemissionen verantwortlich (beim CO2 waren es cirka 13 %, beim Methan 44 %, beim Lachgas 82 %).

Landsysteme sichern die Existenz und das Wohlergehen der Menschheit und sind unsere wichtigste Ressource. Laut Bericht beeinflusst die Nutzung der Landsysteme durch den Menschen über 70 % der globalen, eisfreien Landoberfläche. Etwa ein Viertel der eisfreien Landfläche ist durch den Menschen bereits degradiert! Sehr alarmierend ist, dass die Bodenerosion um etliches höher ist als die Bodennachbildungsrate.

Seit der vorindustriellen Zeit ist die Lufttemperatur über der Landoberfläche fast doppelt so stark angestiegen wie die globale Durchschnittstemperatur. Der Klimawandel hat bereits negative Auswirkungen auf die Nahrungsmittelsicherheit - durch Erwärmung, Desertifikation, Zunahme der Extremwetterereignisse und durch Niederschlagsveränderungen wie etwa Trockenheit. Unterdessen gehen weltweit 25 bis 30 % aller produzierten Lebensmittel verloren oder werden verschwendet!

Veränderungen des Konsumverhaltens haben dazu geführt, dass heute cirka zwei Milliarden Erwachsene übergewichtig oder fettleibig sind. Gleichzeitig leiden weltweit schätzungsweise 821 Millionen Menschen an Unterernährung!

Handlungsmöglichkeiten

Nur durch nachhaltig ausgerichtete Land- und Forstwirtschaft, klimafreundliche Lebensmittelsysteme sowie durch eine nachhaltige Entwicklung können die Lebensgrundlagen für die künftigen getreide kleinGenerationen gesichert werden. So tragen die veränderten Ernährungsgewohnheiten (insbesondere fleischreduzierte Ernährung) sowie nachhaltige Lebensmittelproduktion bei, die Treibhausemissionen bedeutsam zu verringern. Durch die Vermeidung der Lebensmittelverschwendung kann schon jetzt ein wichtiger Beitrag zur Ernährungssicherheit und Senkung von Treibhausemissionen geleistet werden! Auch weltweite Aufforstung bzw. Wiederaufforstung, Schutz der bestehenden Wälder und Moore, Ermöglichung der Regeneration von degradierten Flächen und Bekämpfung der Desertifikation sind weitere sinnvolle und notwenige Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel bzw. die globale Erwärmung und zum Erhalt der Existenzgrundlagen. Denn die künftige Landnutzung steht in Abhängigkeit von künftigen klimatischen Bedingungen!

Letztendlich kann durch aktive und durchgreifende politische Strategien eine Vielzahl von Klimaschutzmaßnahmen wirkungsvoll und nachhaltig umgesetzt werden. Wir haben nur eine Erde und eine Verpflichtung bestmöglich für sie zu sorgen!

Maßnahmen in der Stadt Wien

gemuese kleinDie Stadt Wien nimmt eine Vorreiterrolle sowohl in der Umsetzung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutzagenden als auch durch die Förderung und Forcierung von Bio-Landwirtschaft und Bio-Lebensmitteln (Organic Cities Network Europe), ein. Im Rahmen des ökologisch-nachhaltigen Beschaffungsprogramms "ÖkoKauf Wien" werden seit 1998 Produkte und Lebensmittel magistratsweit ökologisch eingekauft und verwendet.

Die WUA setzt dabei auch einen besonderen Fokus auf sozio-ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Um insbesondere nicht leicht erreichbare Personengruppen aktiv und partizipativ in das Thema der gesunden und nachhaltigen Ernährung einzubeziehen, wurden seitens der WUA beispielsweise Workshops in der Produktionsschule ÖJAB - Bildung, Perspektive, Integration organisiert und durchgeführt.

Der vorliegende Artikel stellt nur einen kleinen Informationsausschnitt aus dem IPCC Sonderbericht dar.

Mehr Informationen:

Quellen:

TPL_WUA_ADDITIONAL_INFORMATION