Erstellt von DI Martin Rössler, im Auftrag der WUA (2011)

In Österreich sterben jährlich hunderttausende Vögel bei Kollisionen an Glasscheiben. Wirksame Gegenmaßnahmen sind Markierungen, die auf die gesamte Fläche verteilt werden – Greifvogelsilhouetten sind unwirksam. Es gibt bereits viele ansprechende Vorschläge zur Lösung des Problems, ohne die Funktion von Glas einzuschränken. Jedoch sind nur wenige Empfehlungen wissenschaftlich geprüft und bei vielen Angeboten muss die Wirkung in Zweifel gezogen werden.

Neben den Feldversuchen von Daniel Klem in den USA gelten die Flugtunnelversuche der Biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf (Österreich) als die umfassendsten und methodisch am besten gesicherten empirischen Testreihen zur Bewertung der Wirksamkeit von Glasmarkierungen. In den Jahren 2006 bis 2010 wurden, zum Teil im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft, 38 Prototypen von Markierungen geprüft.

Die unterschiedliche Wirkung ähnlicher Muster hat gezeigt, dass kleine Unterschiede großen Einfluss auf die Wirksamkeit haben können.

ONR 191040 - Vogelschutzglas – Methode Wahlversuch Hohenau
Kategorien der Wirksamkeit von Markierungen
Modifikationen von Mustern: Kleine Ursache große Wirkung
Kriterien für die Wirksamkeit

ONR 191040 - Vogelschutzglas - Methode Wahlversuch im Flugtunnel (Hohenau)

Verschiedene Hersteller verwenden den Begriff „Vogelschutzglas“ großzügig. Für Konsument/innen gibt es keine Möglichkeit, diesen Begriff überprüfbar einzuordnen. Daher wurde in Österreich ein erster Schritt zu einer normativen Regelung gesetzt.

Damit die Verwendung von Glas nicht zur Verschlechterung eines Vogellebensraumes führt, sollten Kollisionen mehr oder weniger ausgeschlossen werden können. „Vogelschutzglas“ muss in deutlichem Maß wirksamer sein als gerade noch nachweisbar.

Mit der ONR 191040, welche die Prüfung der Wirksamkeit von Glasmarkierungen zum Thema hat, ist der Begriff „Vogelschutzglas“ seit 2010 erstmals in einem Regelwerk erfasst. Die Untersuchung beruht auf einem Wahlversuch. Am Ende eines Flugtunnels werden zwei Glasscheiben nebeneinander angebracht, eine mit dem zu testenden Muster und eine unmarkierte Referenzscheibe. Ein feines Netz verhindert das Anprallen der Vögel. Wenn sich weniger als 10 % der Testvögel für die markierte Scheibe entscheiden, handelt es sich bei dem Muster um „Vogelschutzglas“ gemäß ONR. Dieser Grenzwert wurde von in der Vogelschlagforschung tätigen Ornithologen aus Österreich, der Schweiz, den USA und Deutschland festgelegt.

Die ONR gilt für alle Anwendungen, bei denen aus der Anflugrichtung Durchsicht auf den Außenraum gegeben ist (z. B. transparente Lärmschutzwände, Windfänge, Einfriedungen, Glasgänge und geschlossene Bauwerke mit Verglasungen über Eck).

Eine detaillierte Beschreibung der Untersuchungsmethode im Flugtunnel befindet sich in der Studie "Vermeidung von Vogelanprall an Glasflächen – Experimentelle Untersuchungen zur Wirksamkeit von Glas-Markierungen unter natürlichen Lichtbedingungen im Flugtunnel II", Martin Rössler, Wolfgang Laube, Philipp Weihs im Auftrag von ASFINAG, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und der Wiener Umweltanwaltschaft, März 2007 (1,38-MB-PDF)

Kategorien der Wirksamkeit von Markierungen

Die geprüften Markierungen werden in vier Kategorien unterteilt, deren erste „Vogelschutzglas“ umfasst, die aber auch eine Einstufung von weniger wirksamen Markierungen erlaubt.

 
KategorieWirksamkeitAnflüge in der Prüfanlage in %
A hoch wirksam "Vogelschutz" im Sinne ONR 191040 unter 10
B bedingt geeignet 10 bis 20
C wenig geeignet 20 bis 45
D unwirksam über 45

Modifikationen von Mustern - Kleine Ursache große Wirkung

Die Wirksamkeit von Markierungen hängt von Wahrnehmung und Verhalten der Vögel ab. Schon kleine Änderungen an geprüften Mustern können großen Einfluss auf die Wirkung haben. Um die Eigenschaften als Vogelschutzglas sicherzustellen, ist daher eine Prüfung gemäß ONR notwendig. Die bisherigen Forschungsergebnisse haben diesbezüglich folgende Erkenntnisse gebracht. Die Wirksamkeit einer Markierung ist nicht immer vom Anteil bedeckter Fläche abhängig, andere Parameter haben sich als wichtiger erwiesen. Auch Unterschiede des verwendeten Materials können einen starken Einfluss auf die Wirksamkeit einer Markierung haben. Markante Beispiele sind in den Kriterien für die Wirksamkeit angeführt.

Mehr Informationen:

 

TPL_WUA_ADDITIONAL_INFORMATION