Die WUA stellt sich vor

Newsflash

Beim 10. Wiener Nuklearsymposium am 20. September 2019 werden Fragestellungen rund um das Thema "Kernenergie im Klimawandel" behandelt.Der rasche Umstieg auf CO2-neutrale Technologien ist unbedingt notwendig, wenn die Folgen des Klimawandels noch einigermaßen überschaubar bleiben sollen. Kernenergie wird in diesem Zusammenhang oft als Teil der Lösung präsentiert. Auch wenn die Kernenergie als Industriezweig aus diesem Anlass weitere Investitionen lukrieren möchte, sind Effekte auf den Klimawandel in größeren Zusammenhängen zu hinterfragen und zu bewerten. Die Teilnahme am Nuklearsymposium ist kostenlos. Anmeldung

Umwelttipp der Woche

Wartung der Heizanlage
Bald ist es soweit: Hunderttausende Heizgeräte werden wieder in Betrieb genommen. Wer auf Nummer sicher gehen will, dass seine Heizanlage den ganzen Winter hindurch möglichst störungsfrei und effizient arbeitet, der sollte noch rasch einen Überprüfungstermin mit seinem Servicetechniker vereinbaren. Gut gewartete Heizgeräte halten länger und sparen Brennmaterial und Geld.

Kurz vor der geplanten Inbetriebnahme hat Global 2000 einen Insider von der Baustelle Mochovce 3 und 4 nach Wien gebracht. Das Gespräch der WUA mit dem bis vor kurzem noch dort beschäftigten Maschinenbau-Ingenieur zeigt noch schlimmere Mängel in dem cirka 160 Kilometer von Wien entfernten AKW als bisherige Berichte und Unterlagen annehmen ließen. Der Techniker, der während seiner beruflichen Laufbahn an mehreren AKW-Baustellen gearbeitet hat, schilderte die Situation auf der Baustelle Mochovce. Ernsten Anlass zur Sorge gibt, dass der tatsächliche Zustand des AKWs wesentlich von den Plänen und der Dokumentation abweicht, das heißt, besser dargestellt wird, als es den Tatsachen entspricht.

Gravierende Mängel an Mochovce 3 werden knapp vor der Inbetriebnahme aufgedeckt!

Den Berichten zu Folge ist unter anderem das Setzen einer großen Anzahl an Bohrlöchern zur nachträglichen seismischen Ertüchtigung der Anlage ohne entsprechende Berücksichtigung der vorhandenen Bewehrung erfolgt. Weiters wurde berichtet, dass eingelagerte technische Komponenten vor dem Einbau teilweise nicht der üblichen Instandsetzung durch die Erzeugerfirma unterzogen wurden. Die bereits durch die Slowakische Atomaufsicht und internationalen Experten festgestellten Mängel in Schulung, Qualitätssicherung und Koordination der Baustelle sollen ungeachtet der entsprechenden Verbesserungsaufträge durch die Behörde weiter bestehen. Die Inbetriebnahmetests sind den Berichten zu Folge demnach von einer unüblich hohen Anzahl an Komponentenversagen begleitet. Der Mitarbeiter ist - wie mehrere seiner erfahrenen Kollegen - gekündigt worden, nachdem er versucht hatte im Einklang mit internationalen Standards und Vorgehensweisen die Behebung dutzender Mängel durchzusetzen.

Nach den nun vorliegenden und dokumentierten Mängeln, ist davon auszugehen, dass die slowakische Atomaufsichtsbehörde nicht über den tatsächlichen Zustand der Baustelle im Bild ist. Wie bereits international in anderen Fällen aufgedeckt, scheinen auch im Fall von Mochovce 3 und 4, die der Behörde vorgelegten und von dieser geprüften Dokumentationen in wichtigen Punkten nicht mit dem tatsächlichen Zustand der Anlage und den tatsächlichen organisatorischen Maßnahmen übereinzustimmen. (So ist vor einiger Zeit die tschechische Atomaufsichtsbehörde bei einer Schweißnahtprüfung in Dukovany durch die Verantwortlichen hinters Licht geführt worden.)

Nach Bekanntwerden dieses gravierenden Falls der Missachtung internationaler und auch slowakischer Standards ist die Slowakische Nuklearaufsichtsbehörde gefordert, die Konsequenzen zu ziehen und jegliche Arbeiten auf der Baustelle unverzüglich zu stoppen. Die Aufsichtsbehörde muss angesichts der unglaublichen Mängel mit Unterstützung internationaler Experten den tatsächlichen Zustand der Anlage selbst feststellen und dann auf dieser Basis von gesicherten Erkenntnissen entscheiden ob und wie eine Sanierung technisch durchführbar wäre.

Wien verlangt die sofortige Einstellung und eine detaillierte Überprüfung der Baustelle

Die Wiener Umweltanwaltschaft hat als Atomschutzbeauftragte der Stadt Wien einen dringenden Appell koordiniert und gemeinsam mit den Partnern des Städtenetzwerks CNFE (Cities for a Nuclear Free Europe), der Allianz der Regionen für einen europaweiten Ausstieg aus der Atomkraft und dem britischen Netzwerk NFLA (Nuclear Free Local Authorities) an die slowakische Regierung gerichtet. Die unterzeichnenden Netzwerke repräsentieren über 70 Million Europäische Bürgerinnen und Bürger. Weitere koordinierte Schreiben sind an die ENSREG (European Nuclear Safety Regulators Group) und an den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker sowie den Kommissar für Klimaschutz und Energie Miguel Arias Cañete gerichtet. In den Dokumenten werden die sofortige Einstellung aller Arbeiten, die umfassende Überprüfung der Baustelle und die Einhaltung internationaler Standards gefordert. Darüber hinaus wendet sich Wien grundsätzlich gegen die Inbetriebnahme dieser alten „neuen“ Reaktoren in Mochovce.

Mehr Informationen:

Wiener Zeitung vom 03.04.2019
Global 2000 - Video
Detailbeschreibung KKW Mochovce

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