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Kozloduy 7 - UVP Verfahren (12/2013)

KKW Kozloduj - Start trotz Ende der Gaskrise? (1/2009)

Das Kernkraftwerk Kozloduj in Bulgarien befindet sich 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Sofia. Es ist in südöstlicher Richtung zirka 600 Kilometer von Wien entfernt.

Die derzeit einzige Anlage zur Stromerzeugung aus Kernenergie in Bulgarien befindet sich 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Sofia, in der Nähe der Stadt Kozloduj. Der Standort umfasst sechs Reaktoren. Weiters findet sich eine Reihe von zusätzlichen Einrichtungen zur Lagerung und Handhabung von Kernbrennstoff. Am Standort arbeiten vier WWER-440/230 Reaktoren vom Typ Bohunice (Slowakei) und zwei modernere Blöcke vom Typ Temelin.


Wichtige Zahlen im Überblick

 ReaktortypLeistung (netto)
(MW elektrisch)
Fertigstellung
Netzsynchronisation
Voraussichtlich
Betrieb bis
Block 1 Druckwasserreaktor | WWER-440/230 408 1974 2004
Block 2 Druckwasserreaktor | WWER-440/230 408 1975 2005
Block 3 Druckwasserreaktor | WWER-440/230 408 1980 2008 bis 2012
Block 4 Druckwasserreaktor | WWER-440/230 408 1982 2008 bis 2012
Block 5 Druckwasserreaktor | WWER-1000/320 953 1987 Offen
Block 6 Druckwasserreaktor | WWER-1000/320 953 1991 Offen
  • Entfernung von der Stadt Wien (Luftlinie): Zirka 600 Kilometer
  • Anteil der Anlage an der Stromerzeugung in Bulgarien: Zirka 40 Prozent (2001)
  • Anteil der Stromerzeugung aus Kernenergie in Bulgarien: Zirka 40 Prozent (2001)
  • Jahresstromerzeugung der Anlage 2001: 19,2 Milliarden Kilowattstunden

Bisherige schwere Stör- und Zwischenfälle

  • 1998 explodiert ein Transformator im nicht nuklearen Teil der Anlage. Ein Turbogenerator wurde vorübergehend abgeschaltet. Die Regierung äußerte damals die Vermutung über einen Sabotageakt.
  • Wegen des Entweichens von Dampf wurde die Leistung des zweiten Blockes zwischenzeitlich um 100 Megawatt elektrisch (MWel) reduziert. Der ausströmende Dampf wurde nicht als Beeinträchtigung der Betriebssicherheit gewertet und war offiziellen Angaben zufolge nicht radioaktiv kontaminiert. Später wurde der Reaktor abgefahren und das Leck repariert.
  • Das Grundwasser in der näheren Umgebung des Standorts weist zum Teil erhöhte Werte für Radioaktivität auf. Möglicherweise sind zu früherer Zeit kontaminierte Flüssigkeiten entwichen oder abgeleitet worden.

Kritikpunkte und Position der Wiener Umweltanwaltschaft

Kritikpunkte

Das Kraftwerk wurde von der IAEA (Internationale Atomenergiebehörde mit Sitz in Wien) in Bezug auf zahlreiche schwere Sicherheitsmängel als problematisch eingestuft. Eine Nachrüstung wird dringend empfohlen.

Zum Teil wurden grundlegende Aspekte des Brandschutzes verletzt. Leistungskabel wurden direkt neben Steuerkabeln verlegt. Im Brandfalle kann dies zu signifikanter Beeinträchtigung der Sicherheit führen. Manche Systeme, wie etwa die Notkühleinrichtungen der Blöcke, waren nicht ausreichend getrennt oder nicht redundant ausgelegt.

Inzwischen wurden mit internationaler Unterstützung die gravierendsten Mängel behoben. Die Anlagen wurden in einen vorläufig betriebssicheren Zustand überführt. Die beiden neueren WWER-1000 Blöcke lassen sich auf modernen Sicherheitsstand bringen.

Position der Wiener Umweltanwaltschaft

Nach Angaben des bulgarischen Energieministers Georgi Stoilow birgt das KKW Kozloduj ein erhebliches Risiko trotz der Verbesserungen in den letzten Jahren. Auf einem Arbeitstreffen in seiner Behörde räumte Stoilow nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur BTA ein: "Dieses Risiko ist größer als gesellschaftlich annehmbar."

Aufgrund des hohen Gefährdungspotentials wird eine baldige Stillegung und Dekommissionierung der beiden ältesten Blöcke dringend empfohlen. Die Größe des Kraftwerks macht eine Substitution schwierig. Sie stellt Bulgarien vor eine erhebliche, auch finanzielle Aufgabe. Im KKW wird auch für den Export nach Westeuropa produziert, um Devisen ins Land zu holen. Neben der Errichtung von konventionellen Kraftwerken könnte und sollte durch finanzielle Anreize der EU der Einsatz von Erneuerbaren Energiesystemen deutlich gefördert werden.


Sicherheitssysteme

Die vier älteren Blöcke von Kozloduj sind in der Auslegung wesentlicher Sicherheitssysteme mangelhaft oder weisen diese überhaupt nicht auf. Im Gegensatz dazu sind die beiden WWER-1000 Reaktoren aus der dritten, mehrfach auch sicherheitstechnisch überarbeiteten Baulinie. Sie können mit moderner Sicherheitsphilosophie mithalten oder sind zumindest mit angemessenen Maßnahmen nachrüstbar.

Die alten WWER-440/230 Blöcke haben weder ein ausreichend dimensioniertes Notkühlsystem, noch ein Containment. Der Reaktordruckbehälter ist mit den Komponenten des Primärkreises von einem Druckkompartment umschlossen (Confinment).

Die Blöcke 5 und 6 haben ein VollContainment in vorgespannter Stahlbetonbauweise. Sie besitzen ein Containmentsprühsystem, großzügig ausgelegte Notkühlsysteme und Anlagen zur Abführung der Nachzerfallswärme. Nach 1993 wurde ein dreistufiges Investitionspaket für Sicherheit aufgelegt. Für die Blöcke 1 bis 4 wurde ein Volumen von 129,1 Millionen Euro veranschlagt und inzwischen umgesetzt. Dabei wurde das Projekt zu 30 Millionen Euro aus dem EU-PHARE Programm getragen. Weitere 12,7 Millionen Euro stammen von der EdF (Electricité de France). Etwa 60 Millionen Euro stammen von bulgarischen Stellen. Die Nachrüstung und Modernisierung der Blöcke 5 und 6 ist für 2000 bis 2005 angesetzt.


Forderungen der EU

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) unterstützte die Nachrüstung eines der neueren Reaktorblöcke. Die Arbeiten wurden durchgeführt und der Reaktor inzwischen wieder angefahren. Im Gegenzug verpflichtete sich Bulgarien, die beiden ältesten Blöcke (1 und 2) 2004 und 2005 zu schließen.

Generalerneuerung der Blöcke 5 und 6

Zur Modernisierung des bulgarischen KKW Kozloduj hat die EU-Kommission am 18.4.2000 ein Darlehen in Höhe von 212,5 Millionen Euro bereitgestellt. Die Mittel sollen zur Nachrüstung der Blöcke 5 und 6 auf international anerkanntes Sicherheitsniveau verwendet werden. Die Gesamtkosten der Erneuerung belaufen sich auf 490 Millionen Euro. Bulgarien hatte sich verpflichtet, die Blöcke 1 und 2 bis 2005 zu schließen und die Reaktoren 3 und 4 vor dem Ende ihrer projektierten Lebensdauer stillzulegen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass sie bis 2006 vom Netz genommen werden und sich der Betrieb auf die beiden modernisierten Blöcke 5 und 6 beschränkt. In Zusammenhang mit der Substitution der älteren Reaktoren wird die Errichtung von zwei neuen KKW-Blöcken in Bulgarien diskutiert. Möglicher Standort dafür wäre Belene mit zwei WWER-1000 Reaktoren.


Verwendete Quellen und Links

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