Die bevorstehende Entscheidung über die Genehmigung der Brennelementfabrik in Lingen in Niedersachsen (DE) ist ein Wendepunkt für Deutschlands Energie- und Sicherheitspolitik. Die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF), eine Tochter des französischen Konzerns Framatome, möchte künftig Brennelemente für Reaktoren sowjetischer Bauart (VVER-Reaktoren) herstellen. Dies soll in Kooperation mit dem russischen Unternehmen TVEL Geschehen, ein Tochterunternehmen des staatlichen Atomkonzerns Rosatom.
Strategische Abhängigkeiten statt Sicherheit
Eine Kooperation in diesem Bereich wäre ein fatales Signal. Kritikerinnen und Kritiker warnen, dass dieses Vorhaben faktisch eine Mitfinanzierung der russischen Kriegsmaschinerie darstellen könnte. Vor allem da geplant ist, russisches Know-how, Lizenzen und Fachkräfte im sensiblen Produktionsprozess einzubinden.
Aktuelle WUA-Studie untersucht Abhängigkeit von Russland
Die aktuelle Studie „Russian Grip on EU Nuclear Power“ zeigt, dass mehrere EU-Mitgliedstaaten weiterhin stark von russischen Lieferketten für nukleare Brennstoffe abhängig sind, besonders in Ländern, die Reaktoren mit sowjetischer Technologie einsetzen. Trotz mehrfacher Ankündigungen über Diversifizierungspläne konnte diese Abhängigkeit bisher kaum reduziert werden. Die ganze Studie kann hier eingesehen werden.
Weichenstellung für die Zukunft
Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stellt sich die Frage, ob Deutschland einem staatlich kontrollierten Unternehmen Russlands noch tiefere Zugänge zu sensibler Technologie gewähren sollte. Deutschland und die EU stehen vor der Herausforderung, Energie-, Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen neu auszurichten. Ziel muss es sein, die Abhängigkeit von autoritären Staaten und nicht-nachhaltigen Energieformen zu reduzieren. Dies funktioniert nur, wenn Energieeffizienz und Energievermeidung forciert werden, sowie der Umstieg auf ein nachhaltiges grünes Energiesystem.
Weitere Informationen:
Studie: "2025 Update of Russian Grip on EU Nuclear Power", Patricia Lorenz im Auftrag der WUA, 2025
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