Der Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 gilt als schwerste Nuklearkatastrophe in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie. Die Freisetzung großer Mengen radioaktiver Stoffe führte zu weitreichenden gesundheitlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Folgen in großen Teilen Europas. Bis heute sind die Auswirkungen in Umwelt, Landwirtschaft und Gesundheitssystemen spürbar. Der 40. Jahrestag dieses Ereignisses war Anlass, die langfristigen Konsequenzen der Atomenergie erneut in den Mittelpunkt zu rücken und auch den Unfall von Fukushima 2011 in die energiepolitische Betrachtung einzubeziehen.

40Jahre Tschernobyl Martin Votava 128Vor diesem Hintergrund fand am 22. April 2026 im Wiener Rathaus die Veranstaltung „40 + 15 – Die langen Schatten von Tschernobyl und Fukushima“ statt. Die Wiener Umweltanwaltschaft organisierte in ihrer Eigenschaft als Atomschutzbeauftragte für Wien die Veranstaltung.

Wiens Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky, Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft sowie eine Wiener Schulklasse kamen zusammen, um die langfristigen Auswirkungen nuklearer Unfälle zu diskutieren und aktuelle energiepolitische Fragestellungen zu beleuchten.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch eine gemeinsame Resolution aller im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien vorgestellt. Diese bekräftigt die kritische Haltung der Stadt Wien gegenüber der Nutzung der Kernenergie und unterstreicht die Bedeutung einer konsequenten Ausrichtung auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und nachhaltige Energiepolitik.

Im Mittelpunkt standen die anhaltenden ökologischen, gesellschaftlichen und politischen Folgen beider Reaktorkatastrophen. Dabei wurde deutlich, dass die Auswirkungen von Atomunfällen weit über den Zeitpunkt des jeweiligen Ereignisses hinausreichen und bis heute in vielen Bereichen relevant sind.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den weiterhin ungelösten Herausforderungen der Atomenergie. Dazu zählen:

  • die langfristige sichere Lagerung radioaktiver Abfälle,
  • die hohen Kosten für Rückbau und Stilllegung von Anlagen
  • sowie die grundsätzlichen Risiken schwerer Unfälle.

Auch die wirtschaftliche und technische Umsetzbarkeit neuer Reaktorkonzepte wurde im Rahmen der Diskussion kritisch eingeordnet.

Darüber hinaus wurden aktuelle energie- und sicherheitspolitische Entwicklungen thematisiert. Die Rolle der Atomenergie im europäischen Energiesystem, Fragen der öffentlichen Finanzierung, sowie sicherheitspolitische Risiken im Zusammenhang mit nuklearen Anlagen standen dabei im Fokus. Insbesondere der Krieg in der Ukraine hat die Bedeutung der nuklearen Sicherheit in Konfliktsituationen erneut deutlich gemacht.

Die Veranstaltung machte sichtbar, dass die Auseinandersetzung mit den Folgen von Tschernobyl und Fukushima weiterhin eine wichtige Grundlage für energiepolitische Entscheidungen darstellt. Sie unterstrich zugleich die Bedeutung eines konsequenten Ausbaus erneuerbarer Energien sowie von Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz als zentrale Bausteine einer nachhaltigen Energiezukunft.

Die Resolution wird im Anschluss an die Veröffentlichung ebenfalls hier verlinkt. 
 

Weitere Informationen: 

 

 

Präsentationen: 

Kriegerische Gefechte an Kernkraftwerksstandorten und nukleare Sicherheit

Dr. Nikolaus Müllner, Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften (BOKU)

 

Rechtliche Schritte gegen die nukleare Renaissance

Mag.a Patricia Lorenz, Global 2000

 

Tschernobyl: 40 Jahre danach. Die Lage am Standort: Immer noch keine Lösung in Sicht

Dipl. Phys. Oda Becker, Atom- und Strahlenschutzkommission (BUND)

 

15 Jahre Fukushima und die Zukunft der Atomkraft

Dipl. Phys. Heinz Smital, Greenpeace

 

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle in Österreich und in der EU

Mag.a Gabriele Mraz, Österreichisches Ökologie-Institut

 

Die Wiener Umweltanwaltschaft als Atomschutzbeauftragte der Stadt Wien

Dipl. Ing. Raphael Zimmerl, Wiener Umweltanwaltschaft

 
© Foto: Martin Votava

TPL_WUA_ADDITIONAL_INFORMATION