Hauskatzen erbeuten, verletzen und beunruhigen Kleinsäuger, Vögel, Reptilien und Amphibien. Dabei folgen sie instinktiv ihrem natürlichen Jagdtrieb, sind aber häufig nicht auf die Beute angewiesen, denn zu Hause wartet eine gut gefüllte Futterschale. Besonders problematisch ist der Jagdtrieb der Katzen im Frühling, also zu der Jahreszeit, in der viele Jungtiere auf die Welt kommen. Die Elterntiere sind oftmals abgelenkt und damit beschäftigt, den Nachwuchs zu versorgen, während die unerfahrenen und teilweise hilflosen Jungtiere selbst zu einer leichten Beute werden.

Weltweit haben häufig verwilderte Hauskatzen negative Auswirkungen auf Wildtierpopulationen, wenn man nicht zumindest mit Kastrationsprogrammen und Fütterung die Situation für Katzen und Wildtiere verbessert.

Hohe Opferzahlen

katze 1 kleinWie viele Wildtiere weltweit durch freilaufende Katzen (Haustiere und verwilderte, streunende Tiere) tatsächlich zu Schaden kommen, kann nur geschätzt werden. Im menschlichen Siedlungsbereich sind Katzen jedenfalls ein ernstzunehmender Faktor, der zu einem Rückgang von Vögeln, Reptilien, Amphibien und Kleinsäugern führen kann.

Tatsächlich sind dort die Vogelbestände in Abhängigkeit von der Qualität der Grünräume eher gut, verglichen mit agrarischen Flächen.

Der Einfluss von Katzen (an erster Stelle jener der verwilderten) auf die heimische Artenvielfalt, auch auf geschützte Arten, darf nicht unterschätzt werden. Aber auch die „zahmen“ Stubentiger haben einen nennenswerten Jagdtrieb mit dem verantwortungsvolle Katzenhalter*innen umgehen lernen sollten, damit er bei Freigang weniger zum Durchbruch gelangt. Wenn immer mehr Haustierbesitzer*innen ihren Lieblingen ein schönes Leben mit regelmäßigem Ausgang ins Freie ermöglichen wollen, wird sonst die Gefahr für Wildtiere weiter zunehmen.

Verwilderte Katzenpopulationen sollten möglichst schnell kastriert und dauerhaft gefüttert werden, viele Organisationen widmen sich dieser Aufgabe. Auch Katzen zum „Mäusefang“ zu halten kommt leider immer noch vor. Sie gar nicht oder nur wenig zu füttern ist eindeutig Tierquälerei und führt zu unnötigen Opfern unter den Wildtieren.

Fleisch fressen, spielen & fesche Halsbänder

Nun wurden verschiedene Maßnahmen untersucht, die den Jagdtrieb der Katzen und somit die Gefahr für Wildtiere reduzieren sollen.

Eine aktuelle Studie (Cecchetti et al., 2021) zeigt,

  • dass Futter mit viel tierischem Protein (also Fleisch bzw. Katzenfutter ohne Getreide) zu 36 % weniger Tötungen führt.
  • dass ein Spiel, das die Jagd simuliert, den Jagdtrieb zumindest etwas stillen kann. Schon 5 bis 10 Minuten täglich führen laut Studie zu einer Reduktion der Opferzahlen um 25 %.
  • dass durch ein buntes Stoffhalsband die Zahl der erbeuteten Vögel um 42 % sinkt. Bereits 2015 wurde die Wirksamkeit der Halsbänder (speziell in der Vogelbrutzeit) festgestellt (Willson et al., 2015).

Ungeeignete Maßnahmen sind:

  • Halsbänder mit Glöckchen
  • Beschäftigungsspielzeug: Das Futter wird auf verschiedene Arten versteckt und die Katze muss erst herausfinden, wie sie an die Leckereien herankommt. In der Studie wurde sogar ein negativer Effekt festgestellt, denn die Tiere, die ein Spielzeug bekamen und für ihr Futter eine Aufgabe lösen mussten, gingen sogar noch lieber selbst auf die Jagd.

Bitte zu Hause bleiben!

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es Möglichkeiten gibt, Einfluss auf das Jagdverhalten der Hauskatzen zu nehmen, sodass weniger Wildtiere verletzt oder getötet werden. Aber die katze 2 kleinbeste und effektivste Maßnahme wildlebende und gefährdetet Arten zu schützen, ist aber - nach wie vor - die Katzen nicht ins Freie zu lassen. Daher empfiehlt die WUA die Stubentiger zumindest während der Vogelbrutzeit (März bis Juli) zu Hause zu lassen, ausreichend mit ihnen zu spielen und, falls möglich, einen katzensicheren Balkon oder Auslauf einzurichten. Außerhalb der Brutzeit hat es sich bewährt die Katze nicht an den Tagesrandzeiten morgens und abends ins Freie zu lassen, morgens sind eher Vögel in Gefahr, abends eher Kleinsäuger.

Die Auswirkungen von Hauskatzen zeigen sich nahezu ausschließlich im Siedlungsgebiet, während vor allem auch die Agrarlandschaften und Wälder einen Rückgang von Vogelpopulationen aufweisen. Diese Rückgänge können den Katzen nicht angelastet werden. Individuen- und Artenvielfalt im Großen kann nur durch die Erhaltung und Vernetzung von Lebensräumen, durch Renaturierung der Siedlungsräume und durch Reduktion des Chemieeinsatzes in der Landwirtschaft gesichert werden.

Weitere Informationen:

Stoffhalsbänder
Was Wohnungskatzen brauchen, TOW
NABU - Bedroht die Hauskatze die Artenvielvalt?

Studien:

Cecchetti et al. (2021): Provision of High Meat Content Food and Object Play Reduce Predation of Wild Animals by Domestic Cats Felis catus, Current Biology
Loss et al. (2013): The impact of free-ranging domestic cats on wildlife of the United States, Nature Communications
Loss & Marra (2017): Population impacts of free‐ranging domestic cats on mainland vertebrates, Frontiers in Ecology and the Environment
Willson et al. (2015): Birds be safe: Can a novel cat collar reduce avian mortality by domestic cats (Felis catus)?, Global Ecology and Conservation

© Fotos: Andrea Schnattinger, WUA

 

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