fahhrrad-baumanstrahlung-klein.jpgDer Begriff ist aus der Übersetzung des englischen „light pollution” entstanden und bezeichnet Umwelt- und Naturhaushalt störende Lichtimmissionen. Dabei kann die Lichtverschmutzung, auch „Lichtsmog“ genannt, direkt von einer künstlichen Lichtquelle oder von reflektiertem Licht stammen.

Sicherheitsgefühl durch künstliches Licht
Schattenseiten der Lichterflut
Auswirkungen auf Fauna und Flora
Gesundheit
Messung der Lichtverschmutzung
Umweltfreundliche Außenbeleuchtung
Initiativen gegen Lichtverschmutzung
Gesetze gegen Lichtverschmutzung - international
Österreichische Gesetze und Richtlinien
Empfehlungen zur Außenbeleuchtung
Weiterführende Informationen

Sicherheitsgefühl durch künstliches Licht

feuer-klein.jpgDie Beherrschung des Feuers gehört zu den kulturhistorisch bedeutendsten Leistungen der Menschheit. Der Lichtschein bot Schutz vor wilden Tieren und erweiterte in begrenztem Ausmaß den Aktivitätszeitraum der prähistorischen Jäger- und Sammlergesellschaften. Licht wird vom tagaktiven Augenwesen Mensch seit jeher mit Sicherheit, Dunkelheit mit Gefahr assoziiert. So ist es leicht zu verstehen, dass die mit den wachsenden technischen Möglichkeiten zunehmende Beleuchtung des Außenraumes generell begrüßt und bis vor wenigen Jahren kaum hinterfragt wurde.

Schattenseiten der Lichterflut

orionnebel-klein.jpgDer Sternenhimmel verschwindet

Astronomen bemerkten als erste die Schattenseiten dieser Entwicklung, die Beobachtungsmöglichkeiten großstadtnaher Observatorien wurde durch die Lichterflut in den letzten Jahrzehnten massiv eingeschränkt. Heute müssen bereits Observatorien auf hohen Bergen fernab von Millionenstädten durch gesetzliche Bestimmungen vor Lichtverschmutzung geschützt werden, kann doch die Wirkung der Lichtglocken über Städten mehrere hundert Kilometer weit reichen. Am durchschnittlichen Sternenhimmel in Österreich sind nur noch 10 % der Sterne zu sehen, die in dünnbesiedelten Gebieten, wie z.B. den Zentralalpen, beobachtbar sind. Milchstraße, Sternschnuppen und Kometen kann man nur noch fernab der Städte erleben.

Insekten sind die offensichtlichsten Lichtopferinsekten-lampen-klein.jpg

Jeder kennt das Bild von Insekten, die um eine Lichtquelle kreisen, bis sie verbrennen oder an Erschöpfung zugrunde gehen. Bereits seit den 1960er Jahren ist der Rückgang verschiedener Nachtfalterarten zu beobachten, Insektenkundler vermuten einen Zusammenhang mit der steigenden Anzahl künstlicher Lichtquellen. Neben den Astronomen sind Entomologen daher die zweite treibende Kraft bei der Bekämpfung der Lichtverschmutzung.

Zugvögel kollidieren mit beleuchteten Hochhäusern

Zugvögel werden durch beleuchtete Hochhäuser und Signalbeleuchtungen von ihrer Zugroute abgelenkt und finden durch Kollisionen ihren Tod. Ein prominentes Beispiel ist der Post-Tower in Bonn, dessen Auswirkungen auf die Vogelwelt von Heiko Haupt untersucht wurden.

Auswirkungen auf Fauna und Floragruenfrosch-klein.jpg

Künstliches Licht beeinflusst Ernährung, Räuber-Beute-Beziehung, Fortpflanzung, Kommunikation, Wanderungsbewegungen, Ruhephasen und andere unter natürlichen Lichtverhältnissen in evolutionären Zeiträumen entstandenen Verhaltensweisen. Mehr Informationen

Empfehlungen zur Außenbeleuchtung

Künstliches Licht nur

  • in dem Zeitraum, in dem es benötigt wird und
  • nur dort, wo es sichheitstechnisch notwendig ist und dann
  • nur in der erforderlichen Intensität
  • Keine Anstrahlung von Bäumen und Sträuchern, sie sind Lebensraum von Vögeln, Insekten und anderen Tieren.
  • nur abgeschirmte Leuchten mit geschlossenem Gehäuse verwenden
  • die Oberflächentemperatur von Leuchten sollte unter 60 Grad C liegen
  • keine Abstrahlung über die Horizontale
  • Lampen mit geringem UV-Anteil im Spektrum
  • Reduzierung der Lichtpunkthöhe zur Verminderung der Fernwirkung auf Insekten

Besonderes Augenmerk muss auf sensible Lebensräume wie Trockenwiesen, Feuchtgebiete, Gewässer, Waldränder und allgemein auf Schutzgebiete gelegt werden. Hier ist die Artenvielfalt und damit das Gefahrenpotenzial durch Kunstlicht am größten.

Weiterführende Informationen:

  • Exemplarischer Lichtkataster - Licht über Wien, Kuffner Sternwarte, Institut für Astronomie der Universität Wien, im Auftrag der WUA, 2012 (2,6-MB-PDF)
  • Licht über Wien II, Kontinuierliche Messungen der nächtlichen Globalstrahlung und Energieaufwand für die Wiener Lichtglocke im Jahr 2012, Kuffner Sternwarte, Institut für Astronomie der Universität Wien, im Auftrag der WUA. Allgemeiner Teil (1-MB-PDF) Anhang (6-MB-PDF)
  • Licht über Wien III, Kontinuierliche Messungen der nächtlichen Globalstrahlung und Energieaufwand für die Wiener Lichtglocke im Jahr 2013, Kuffner Sternwarte, Institut für Astronomie der Universität Wien, im Auftrag der WUA. (3-MB-PDF)
  • Broschüre:Die Helle Not. Wenn Licht zum Problem wird. 4. Auflage. Tiroler Umweltanwaltschaft, Tiroler Landesmuseum mit Unterstützung der Wiener Umweltanwaltschaft. 2012 (4,2-MB-PDF) - Kostenlose Bestellung
  • Folder: Lassen wir die Nacht im Garten - stimmungsvolle tierfreundliche Gartenbeleuchtung, "die umweltberatung" im Auftrag der WUA, November 2014 (1,4-MB-PDF
  • Energiesparlampen und Gesundheit, Heilig P., internist prax 2010; 50: 219-230, Hans Marseile Verlag GmbH, München (260-KB-PDF)
  • Unterrichtsmaterial Lichtverschmutzung, "die umweltberatung" im Auftrag der WUA, 2012
  • ÖKOKAUFWienKriterienkatalog06001, Leuchtmittel, elektronischeVorschaltgeräteundBeleuchtungskörper
  • Das Ende der Nacht. Lichtsmog: Gefahren-Perspektiven-Lösungen, Thomas Posch, Frank Hölker, Anja Freyhoff, Thomas Uhlmann (Hg), 2013 Wiley-VCH-Verlag, Weinheim. ISBN 978-3-527-41179-5

© Fotos: Baumanstrahlung, Feuer, Insekten/Lampe, Grünfrosch Doppler/WUA; Orionnebel: T. Posch

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